Schulgestaltung hat
uns schon immer am Herzen gelegen. Langeweile auf unseren Schulfluren hat uns schon immer gestört. So stehen hier Spielgeräte
und es hängen eine Menge Bilder an der Wand. Übrigens ging und geht es
uns Lehrkräften jenseits aller Pädagogik auch darum, dass wir
Erwachsenen an unserer Arbeitsstätte einen erfreulichen Anblick
genießen. Also: saubere Wände, Blumentöpfe auf den Fensterbänken,
eingerichtete Nischen und bunte Bilder.
Aber konnte man nicht noch mehr tun? Oder: konnte man noch irgend
etwas Anderes hinzufügen? Man konnte! Und zwar mit Mitteln der - wenn
das Wort erlaubt ist - „modernen Kunst". Wir wollten in den „Raum
Schulflur" Akzente setzen. Wenn man durch die Flure geht, sollten
die Augen an bestimmten Punkten hängen bleiben. „Ach, was ist das
denn? Das sehe ich mir mal genauer an!" Vielleicht bleibt man auch
stehen, wundert sich, stellt Fragen, staunt oder man schmunzelt. Das
also war die Zielsetzung: Gestaltung der Flure durch besondere Objekte,
die zum genaueren Betrachten reizen. Dabei sollten in den Raum gestellte
Objekte oder Installationen besondere Schwerpunkte bilden. Und zwar
nicht nur an zwei drei Stellen, sondern in der ganzen Schule. Durch die
Herausnahme von Gegenständen aus ihrem üblichen Kontext sollten sich
jetzt neue Perspektiven ,die zum genauen Hinschauen und oft auch zum
Nachdenken anregen, ergeben.
Im Rahmen eines Projekts haben wir also Objekte erarbeitet und mit
ihnen die Flure neu gestaltet. Wir haben nun nicht alle Bilder
abgehängt und mit Gewalt etwas Neues installiert.( Und es muss auch
nicht alles so bleiben, wie es jetzt ist! ) Aber wir haben, so wie wir`s
wollten, neue Akzente gesetzt.
Eigentlich ist für jeden etwas dabei herausgekommen: Big Mac
Fresser. Kluge Mäuse. Ein Skateboard fahrender Torso. Fliegen auf Glas.
Das Dosenmoor. Puppen hinter Glas, u.v.m. Bei einigen Objekten sind die
Botschaften leicht zu entziffern: „Ein Ausklopfer darf kein
Erziehungsmittel sein!" Bei anderen Objekten ist es schon
schwieriger, ihren „Sinn" herauszubekommen. Zum Beispiel, wenn
Kinderschuhe vor Glassplittern stehen. „Ob damit gemeint ist, dass
das, was Kinder im Leben noch vor sich haben, oft nicht einfach
ist?" Nun ja, darüber sollen die Betrachter, vor allem die jungen,
nachdenken. Und schließlich gibt es einige Objekte, die einfach nur
eine Gedankenspielerei beinhalten, die nicht mit tiefschürfenden
Interpretationen erschlossen werden sollen. Ein Teelöffelbild - um nur
ein Beispiel zu nennen, kann man so nehmen, wie es ist. Eine besondere
Botschaft soll nicht vermittelt werden. Allerdings sieht man auch hier,
dass Gegenstände, die aus der gewohnten Umgebung genommen werden
(Teebeutel gehören nicht in einen Bilderrahmen!) eine eigenartige
Wirkung ausstrahlen, die zum Stutzen führt: „Irgendwie komisch
..." Wenn einige Betrachter anschließend denken. „Aber es hat
was ...", dann würden wir uns freuen. Dann haben wir alles
erreicht, was wir erreichen wollten.
„Moderne Kunst" in der Förderschule? Wer hat denn die Idee
geliefert? Natürlich wollen wir weder uns noch unseren Besuchern ein X
für ein U vormachen. Die Ideengeber waren fast immer die Lehrkräfte.
Und die haben ihre Ideen auch nicht alle selbst produziert. Sie haben in
Büchern geblättert oder sich in Ausstellungen umgesehen. Aber - und
das muss laut gesagt werden! - die Ideen wurden mit unseren
Schülerinnen und Schülern fortentwickelt. Einige Ideen stammen ganz
und gar von den Schülerinnen und Schülern. Z.B. die Idee, einen
Ausklopfer als „Bild" zu gestalten. Und schließlich wurden die
meisten Titel von Schülerinnen und Schülern erfunden. Sie haben die
Objekte regelrecht getauft. Außerdem muss betont werden, dass die
handwerkliche Produktion fast ganz in der Händen der Schülerinnen und
Schüler lag.

Geht man so mit Kindern um?